RÜckblicke in die Vereinsgeschichte

 

 

1900-1910

 

Im Winter 1907 / 1908 kamen bei Waldarbeiten im damaligen Bogenberger Holz einige Bauern und Bauernknechte auf den Gedanken, einen Schützenverein zu gründen. Man schrieb das Jahr 1908 als dieser Gedanke von mehreren jungen Männern weiter verfolgt wurde und schließlich zur Gründung des Schützenvereins Oberornau führte. Die Zahl der Gründungsmitglieder lässt sich nicht mehr genau feststellen, hierüber sind keine Unterlagen mehr vorhanden. Durch mündliche Überlieferung sind jedoch einige der 12 - 14 Gründungsmitglieder namentlich bekannt:

 

Georg Anzenberger - Braunbauer von Oberornau
Johann und Ottilie Gartner - Gastwirtsleute von Oberornau
Josef Habermaier - Schmied von Oberornau
Georg Kifinger - Zimmerer
Korbinian Mitteneder - Bauernknecht, Zimmerer
Andreas Pfasch - Bauernknecht
Josef Pichlmeier - Bauer von Oberschwarzenbach
Johann Stimmer - Bauer von Ratzenberg
Lorenz Thalmaier - Mittermeierbauer von Oberornau
Johann Wimmer - Mesner von Oberornau

 

Die Gründungsmitglieder wählten aus ihrer Mitte den Braunbauern Georg Anzenberger zum ersten Schützenmeister. Die Übungsabende fanden regelmäßig in der Wirtsstube der Gastwirtschaft Gartner statt. Hier konnten die Schützen einen einzelnen Schießstand aufbauen, der jedoch nach Beendigung des Schießens wieder entfernt werden musste. Geschossen wurde mit Zimmerstutzen. Johann Wimmer stellte sich damals viele Jahre als erster Zieler zur Verfügung. Der Jahresbeitrag wurde auf 2 Mark festgelegt. Da drei Schützen bereits je einen Zimmerstutzen besaßen und diese von den Mitgliedern benutzt werden durften, wurde aus Geldmangel die Anschaffung eines vereinseigenen Zimmerstutzens vorerst zurückgestellt. Das älteste Erinnerungsstück, ein Bierkrügerl, stammt aus dem Jahre 1909.

 

1911-1920

 

Während der Zeit des 1. Weltkrieges mussten die Vereinstätigkeiten eingestellt werden. Doch danach lebte der Schützengeist wieder auf und entwickelte sich in den 20er Jahren zu einem regen Vereinsleben. Die Schützengesellschaft Oberornau wurde wieder zu einem rührigen und zünftigen Verein mit vielen Höhepunkten. Zum 20-jährigen Gründungsfest - im Jahre 1928 - konnte eine Schützenkette angeschafft werden. Sie besteht aus einem Kranz mit 8 Schützenmotiven, war bis zum Jahr 1975 mit 20 Talern bestückt und trägt die Inschrift "Schützengesellschaft Oberornau 1928". Eine bemahlte Festscheibe erinnert ebenfalls an das Fest des 20-jährigen Bestehens der Gesellschaft. Sie wurde gestiftet von Fr. Klara Volkwein und gewonnen von Herrn Dr. Ruhland, sowie eine zweite bemalte Scheibe aus dem Jahr 1932, die beide früher in der Gaststube, und nun im Schützenheim einen Ehrenplatz haben. So wurden zwischen 1923 und 1939 auch Theater aufgeführt, die wesentlich zum kulturellen Leben im Ornautal beitrugen und die Vereinskasse aufbesserten. Eine damals von Dr. Ruhland sehr genau geführte Vereinschronik war seit Anfang der 50er Jahre zum Leidwesen der Schützengesellschaft spurlos verschwunden.

chronik

Bei Bauarbeiten ende der 80er Jahre wurde diese Chronik auf einem Dachboden in Haag gefunden und dem damaligen Schützenmeister Josef Schwarzenböck übergeben.

 

1921-1950

 

Völlig zum Erliegen kam das Vereinsleben während der Zeit des 2. Weltkrieges und zwangsläufig noch einige Jahre danach, bis die Wunden von den Folgen dieser schweren Zeit einigermaßen geheilt waren. Besondere Verdienste erwarben sich in dieser Zeit der langjährige Gerätewart Franz Unterhaslberger und dessen Frau Viktoria, die den vereinseigenen Zimmerstutzen während des Krieges versteckt hielten. Nach Kriegsende, während der Besatzungszeit der Amerikaner in Oberornau vom 3. Mai 1945 bis ungefähr 12. September, mussten sie den Stutzen aus dem "Doktorhaus" entfernen. Mit dem Leiterwagerl, den Stutzen in ein Bett eingewickelt, fuhr Frau Unterhaslberger, unter den Blicken misstrauischer amerikanischer Soldaten, nach Oberbergham und vergrub ihn im Bienenhaus ihres Schwagers. Als Anerkennung dafür erhielt Frau Unterhaslberger am 21.1.1953 15,- DM Belohnung.

 

1950-1960

 

Als sich nach dem Krieg wieder zögernd und allmählich das Interesse für den Schießsport einstellte, gingen einige Männer und Burschen daran, die Wiedergründung der Schützengesellschaft vorzunehmen. Aus dieser Gründungsversammlung im Herbst 1950 ging Jakob Hartinger als 1. Schützenmeister hervor. Zieler bis zur Anschaffung des ersten mechanischen Zugstandes am 31.12.1957 waren fast ausnahmslos Franz Unterhaslberger und Lothar Depta. Zum vorhandenen Zimmerstutzen wurde am 6.11.1950 ein Repetier-Luftgewehr zum Preis von 80,- DM gekauft. 1954 legte Jakob Hartinger das Schützenmeisteramt nieder. Zu seinem Nachfolger wurde Schneidermeister Johann Stöckl gewählt. Das Vereinsleben entwickelte sich immer mehr und wurde zum Mittelpunkt des Dorflebens. 1960 schloss sich der Verein mit seinen 36 Mitgliedern dem "Schützengau Wasserburg/Haag" an. 

 

1961-1970

 

1961 erfolgte ein neuer Führungswechsel. Johann Stöckl stellte das Amt des 1. Schützenmeisters zur Verfügung. Die Mitglieder wählten anschließend Fritz Lentfellner zum 1. Schützenmeister, der das Amt bis zum Herbst 1977 bekleidete. Die Schießabende erfreuten sich immer größer werdender Beliebtheit, da man sich außer beim Schießsport, auch beim Kartenspielen und nicht zuletzt beim gemütlichen Stammtisch gerne traf. Nach 1961 wurde ein zweiter Schießstand eingerichtet und ein zweites Luftgewehr erworben, um den Schießbetrieb reibungsloser zu gestalten, besonders bei Freundschaftsschießen mit den Nachbarvereinen. Denn außer bei Freundschaftsschießen trat der Verein öffentlich nicht in Erscheinung. Es wurden bis Ende der 60er Jahre keine öffentlichen Schießen veranstaltet. Besondere Ereignisse im Oberornauer Schützenleben waren immer wieder die alljährigen Königsschießen und verschiedene Freundschaftsschießen, sowie die an Silvester durchgeführten Strohschießen. Zum gesellschaftlichen Teil zählen die Schützenbälle und einige Christbaumversteigerungen. Der erste erwähnte Ausflug der Oberornauer Schützen führte am 23.5.1954 mit 30 Teilnehmern über Traunstein nach Berchtesgaden. Bei diesen ersten Ausflugsfahrten kamen Postomnibusse zum Einsatz, die in Oberornau "stationiert" waren. 1969 entschloss man sich, die Zugstände in den Tanzsaal zu verlegen und einen dritten Stand zu errichten, damit das von allen Schützen als lästig empfundene Auf- und Abbauen der Schießanlage entfallen konnte.

 

1971-1980

 

Doch es dauerte nicht lange, und 3 Jahre später erfolgte die Erweiterung auf vier Stände, um den ständig wachsenden Ansprüchen gerecht zu werden, denn zu dieser Zeit - 1972 - begann die erste Oberornauer Mannschaft mit dem Rundenwettkampf der im Schützengau Wasserburg-Haag schon seit 1968 durchgeführt wird. Da man verschiedene vereinsinterne Schießen auf Tiefschuss ausrichtete, wurde es notwendig, ein Teilermessgerät zu erwerben. Die Anschaffung erfolgte am 2.4.1973. Im Sommer 1975 entschloss sich die Vorstandschaft, die im Jahr 1928 angefertigte Schützenkette zu erweitern und zu vergrößern. Es war ein hartes Stück Arbeit, die wenigen Taler, die noch im Besitz verschiedener Vereinsmitglieder waren "locker zu kriegen". Doch die Talerbesitzer zeigten Verständnis, und so konnten 60, zum Teil wertvolle Münzen, unentgeltlich in den Besitz der Schützengesellschaft übergehen. Mit diesen 60 "Silberlingen" konnte unsere alte Kette, die nur mit 20 Talern bestückt war, zu einer schmucken Schützenkette erweitert werden. Die Schützengesellschaft beteiligt sich jährlich am Gemeindepokalschießen, dass seit 1974 unter den 6 Vereinen der Gemeinde Obertaufkirchen - Tannengrün Annabrunn, Gemütlichkeit Frauenornau, Rimbachquelle Hofgiebing, SG Oberornau, Hubertus Obertaufkirchen und Grüne Eiche Stierberg - mit wechselnden Erfolgen ausgetragen wird. 1976 startete eine zweite Oberornauer Mannschaft bei den Rundenwettkämpfen im Gau. Zu dieser Zeit wurde schon der Wunsch geäußert, eine eigene Schießanlage zu errichten. Es wurden verschiedene Möglichkeiten besprochen, doch es bot sich keine geeignete Räumlichkeit, und es blieb beim Wunsch. So beschloss man 1977, die bestehende Schießanlage nochmals zu erweitern, so dass auf 6 Ständen geschossen werden konnte. Da sich die Oberornauer Schützen immer stärker an Fahnenweihen und Festlichkeiten beteiligten, war es der Wunsch einiger Mitglieder, einheitliche Schützenkleidung zu tragen. Dies konnte im Sommer 1978 verwirklicht werden. Der erste öffentliche Auftritt erfolgte bei der Haager  Schützenfahnenweihe am 21.07.1978.

In guter Erinnerung blieb die 70-jährige Gründungsfeier der Schützengesellschaft, die erst am 5.8.1979 - ein Jahr später - gefeiert wurde. Im Oktober 1977 gab es den 4. Führungswechsel nach 1950. Fritz Lentfellner, der 16 Jahre lang Schützenmeister war, stellte sein Amt zur Verfügung. Die Neuwahlen brachten folgende Ergebnisse:

1. Schützenmeister: Josef Schwarzenböck
2. Schützenmeister: Peter Anzenberger
3. Schützenmeister: Rupert Schwarzenböck
1. Kassier: Rudolf Helsberger
1. Schriftführer: Rudolf Helsberger
1. Sportleiter: Eduard Haselwarter
2. Sportleiter: Franz Kailich
Jugendleiter: Georg Wieser
Zeugwart: Jakob Hamm

Am 5.10.1978 bei der Jahreshauptversammlung im Gasthaus Gartner wurde einstimmig beschlossen, im Jahr 1983 ein 75-jähriges Gründungsfest mit Weihe einer neuen Fahne zu begehen. 

 

1981-1990

 

Im Laufe des Jahres 1981 arbeitete die Vorstandschaft erstmals eine Vereinssatzung aus, die am 9. Oktober 1981 der Mitgliederversammlung vorgelegt, und von dieser genehmigt wurde.

In den letzten Jahren war man eifrig bemüht, eine Schießanlage zu bekommen. Dies sollte nicht ohne Erfolg bleiben, denn im Herbst 1981 zeichnete sich eine brauchbare Lösung ab. Der alte Eiskeller der Gastwirtschaft Gartner sollte einem Schützenheimbau weichen. Nach mehreren Verhandlungen kam es dann am 3.1.1982 zu einem Vertrag mit unserem Herbergswirt, Josef Gartner, der uns auf 25 Jahre das Grundstück zur Verfügung stellt. Sofort wurde mit der Planung des Neubaus begonnen, die Finanzierung erörtert und besprochen. Im Herbst 1982 war es dann so weit. Nach Genehmigung des Plans und diverser Zuschüsse konnte am 16.10.1982 mit dem Abbruch des Eiskellers und anschließend mit dem Aufbau des Schützenheimes begonnen werden. Bis zum Wintereinbruch stand der Rohbau fertig und die Schützen konnten sich freuen, war doch alles durch Eigenleistung und Spenden entstanden. Es ist durchaus verständlich, wenn bei dieser Aktivität die Mitgliederzahl ständig anstieg und bis auf 119 anwuchs. Eine große Ehre wurde der Schützengesellschaft Oberornau zuteil, denn beim Gauschießen im Oktober 1982 errang von 768 Luftgewehrschützen Martin Pichlmeier jun. von der SG Oberornau mit einem 44,2 Teiler den Titel des Gauschützenkönigs für Luftgewehr. Dieser Titel sollte erst dreißig Jahre später wieder nach Oberornau kommen.

theater

Das erste Theaterstück 1983
Die lange Tradition, der gesellschaftliche Zusammenhalt und die hervorragenden Leistungen waren der Anstoß zur Anschaffung einer Fahne. Am 26. März 1983 fuhr dann ein Großteil der Oberornauer Schützen ins Gasthaus Wörthmüller zum Patenbitten. Bei den Hofgiebinger Schützen wurden wir mit großem Böllersalut lautstark empfangen. Nach gut einstündigen Bittens wurde die Patenschaft vom Schützenverein Rimbachquelle Hofgiebing freudig übernommen. Am 26.6.1983 wurde dann die neue Fahne geweiht und im selben Jahr noch eine Theatergruppe ins Leben gerufen, die mit ihren Aufführungen die Tradition der 20er Jahre wiedererweckte. Seither werden jedes Jahr volkstümliche Theaterstücke aufgeführt. Vom 5.1.1987-18.1.1987 fand dann das Standeröffnungsschießen im neuen Schützenheim statt. Mit über 800 Teilnehmern war diese Veranstaltung ein großartiger Erfolg.

 

1990 - 2000

 

Im Jahr 1990 war es für die Schützengesellschaft Oberornau eine Selbstverständlichkeit, bei der 1200-Jahr-Feier von Oberornau mitzuwirken. 1994 wurde uns die Ausrichtung des Gauschießens des Schützengaues Wasserburg-Haag zugesprochen. Die Auswertung der von 1083 Teilnehmern abgegebenen 66.660 Schuss und der dazugehörigen Teiler erfolgte noch manuell und mit einem Schwank-Teilermessgerät. 1998 waren wir Pate bei der Fahnenweihe der Hofgiebinger Schützen.

 

2001 - 2009

 

Bei den Neuwahlen der Vorstandschaft im Jahr 2001 übernahm Georg Wieser von Josef Schwarzenböck das Amt des 1. Schützenmeisters. Eine große Aufgabe fiel 2003 in dessen Amtszeit, denn das Schützenheim musste durch einen Anbau mit Umkleideraum, WC-Anlagen, Schänke und Küche erweitert werden, da unser Herbergswirt Josef Gartner ankündigte, das Gasthaus "Zur Post" endgültig zu schließen. Der Erweiterungsbau wurde am 2. August 2002 von einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung beschlossen, und nach langen Planungen rollte am 26. Februar 2003 der Bagger an. Viele Helfer und Arbeitsstunden waren notwendig, denn der Anbau musste bis zum Saisonstart im Oktober 2003 fertiggestellt sein. Alles verlief gut, und so konnte als erste Veranstaltung im "neuen" Schützenheim am 26. September 2003 die Jahreshauptversammlung abgehalten werden. Mit dem endgültigen Abschluss der Bauarbeiten veranstaltete der Verein am 18. September 2005 einen "Tag der offenen Tür" bei dem viele Besucher, auch aus anderen Gauen, die neuen Räume besichtigten. Abgerundet wurde der Schützenheimanbau mit einem Standeröffnungsschießen, das vom 6. bis 15. Januar 2006 mit 700 Startern aus dem ganzen Gau Wasserburg-Haag stattfand.

 

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